Ein kleines "Wunder": nach über 60 Jahren sind 30 Ahnenbilder aus Borowo aufgetaucht, die seit Kriegsende als "verloren" galten!
Die Geschichte hierzu hat zwei Teile, die unabhängig voneinander im Sommer 2005 ihren erfreulichen Verlauf nahmen.
Und es sind zwei Polen beteiligt, die sich vorher nicht einmal gekannt haben....
Nach unten zum aktuellen Stand dieser spannenden Geschichte, die sicher noch einige Fortsetzungen haben wird...
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Diese acht Borowoer Ahnenbilder sind schon in Königstein!
Alle diese Bilder sind ungerahmt, aber in gutem Zustand.
Sieben der Ahnenbilder sind eindeutig identifiziert, eines ist noch unbekannt.
Mai 2007: im Museum in Samter ist ein weiteres (22.) Ahnenbild aufgetaucht, das nach Museums-Angaben auch zu der Serie der Borowoer Ahnenbilder gehört (siehe unten).
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Zweiundzwanzig weitere Ahnenbilder
sind inzwischen wieder in Samter bei Posen. Bis auf drei der Ahnen sind alle anderen identifiziert.
Sie sind alle gut gerahmt, hingen seit zwei Jahrzehnten im Chef-Büro und über den Schreibtischen der Sachbearbeiter in einem kleinen, für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Denkmalpflegeamt, welches unmittelbar rechts neben der barocken Pfarrkirche liegt, die für jeden Posen-Besucher ein "Muß" ist und zu der eine kleine Straße vom berühmten Posener Marktplatz hinführt.
Viele der dort abgebildeten Ahnen sind direkte Vorfahren von Ellinor-Borowo, deren Mutter Hedwig Freiin von Dalwig war. Sie ist eine Schwester von Lucia III 9.5)(3)-Heinzendorf, geb. Freiin v.D. - die Großmutter von den lebenden Heinzendorfer Nachkommen.
Seit Anfang 2008 sind die Bilder nicht mehr in Posen, sondern wieder im Depot des Museums in Samter. Der Leihvertrag ist abgelaufen - und die Bilder "warten auf uns"...
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Bild unten: links sitzt Wojciech Maliczak, 60 Jahre alt, der mir die acht Bilder aus Borowo auf dem Posener Marktplatz übergeben hat - ohne jede Gegenleistung. Ich konnte ihn überreden, einen (gut gefüllten) Briefumschlag für seinen alten und kranken Vater entgegenzunehmen, der die Ahnenbilder immerhin vor Jahrzehnten vor dem Wegschmeißen bewahrt hat.
Näheres hierzu beschreibt ein Artikel in der "Taunus-Zeitung" vom 22. Oktober 2005
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Die schwarz-weiß-Bilder neben den Originalen sind Vorkriegs-Aufnahmen der Ahnenbilder aus Borowo, die als Postkarten-große Fotos mehrfach in der Familie vorhanden waren.
Neben den teilweise auf den Rückseiten der Originale verzeichneten Namen und Lebensdaten sind diese schwarz-weiß-Fotos der beste Beweis dafür, daß die Originale tatsächlich früher im Besitz unserer Familie waren. |

Beide Herren habe ich bei der Übergabe der acht Ahnenbilder auf dem Posener Marktplatz miteinander bekanntgemacht.
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Auf dem Bild sitzt rechts Mikolaj Pietraszak Dmowski, ein junger, hochgebildeter Kunsthistoriker, Geschäftsführer der berühmten Raczinski-Stiftung in Rogalin bei Posen. Er hat vor etwa 20 Jahren ein Praktikum in dem Posener Denkmalpflegeamt gemacht und schon damals die (ganz persönliche) Meinung vertreten, daß diese Ahnenbilder nicht in ein Büro gehören, sondern zurück in die Familie, der sie einst gehörten. Daß sie aus Borowo stammten, hat er wohl damals schon erfahren.
Und Anfang 2005 war seine Suche nach einem Nachkommen der Bernuths aus Borowo erfolgreich: bei einem Kongreß in Posen saß neben ihm ein Herr Hubertus von Lucke aus Deutschland, den er wieder fragte und der ihm sagen konnte: ja, er kenne einen Herrn von Bernuth aus Borowo. So kam der Kontakt zustande, der durch diverse Reisen nach Posen und Kurnik durch den Partnerschaftsvertrag noch vertieft wurde! |
2006: Am 17. Mai besuchten wir durch Vermittlung und in Begleitung von Mikolaj das Museum in Samter, dem die 21 Ahnenbilder im Denkmalpflegeamt in Posen gehören. Das Museum in Samter ist im dortigem Schloß untergebracht. Der Direktor, Michal Kruszona, war uns gleich sympatisch und erklärte nach einer kurzen Einführung durch Mikolaj, daß er keine Einwände gegen eine Rückübertragung der Bilder an unsere Familie habe. Allerdings müsse das Kultusministerium in Warschau zustimmen und wir müßten die (noch völlig unbekannten) Bedingungen für eine Rückübertragung akzeptieren.
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Das war eine unerwartet positive Nachricht, daß diese "erste Hürde" so leicht zu nehmen war. Unser offizieller Brief an das Museum mit der Bitte um Rückübertragung wurde am 10. Juni nach Abstimmung mit Mikolaj und nach seiner Übersetzung ins polnische an das Museum abgeschickt.
Ein weiterer gemeinsamer Besuch im Posener Denkmal-Pflegeamt ist für Mitte August 2006 geplant, weil von den 21 Ahnenbildern 10 noch nicht eindeutig identifiziert werden konnten, d.h. es hat noch keine Gelegenheit gegeben, sie abzunehmen und auf der Rückseite nach möglichen Beschriftungen zu sehen. |

links: Konservator ..., Chef des Denkmalpflegeamtes in Posen;
rechts: Michal Kruszona, Direktor des Museums in Samter
2006: Am 22. August besuchten wir durch Vermittlung und in Begleitung von Mikolaj das Denkmalpflegeamt in Posen, um die restlichen 10 Ahnenbilder möglichst zu identifizieren, d.h. sie von der Wand abzunehmen und zu prüfen, ob die Rückseite Informationen über den/die Dargestellten enthält. Leider war dieser Versuch bei 9 Bildern vergeblich, weil diese nach 1986 auf neue Holzrahmen gespannt wurden und dabei früher möglicherweise vorhandene Texte nicht übertragen wurden. Bei einem Bild war der Vermerk "Bernhard Albert von Porbeck, ... Bruder der Großmutter von Otto" vorhanden; bei einem anderen Bild läßt vielleicht ein Wappen auf dem Bild Rückschlüsse auf den Dargestellten zu. |

links: Dr. Romuald Kaminski, früherer Direktor in Borowo
rechts: Mikolaj Pietraszak Dmowski, unser junger Freund
2006: Am 23. August besuchten wir durch Vermittlung und in Begleitung von Mikolaj das Staatliche Gestüt in Racot nahe Kosten (www.racot.pl), welches seit 1999 von Dr. Romuald Kaminski geleitet wird, der von November 1985 bis Ende 1996 Direktor in Borowo war. Er konnte uns detailliert berichten, daß er gleich nach seinem Amtsantritt in Borowo im Rahmen einer Inventur auf den Dachboden des Herrenhauses eine Truhe mit Ahnenbildern gefunden hat, die er für so wertvoll hielt, daß er sie dem zuständigen Denkmalpflegeamt in Posen meldete (wofür er später eine Belobigung erhielt). Das Denkmalpflegeamt in Posen bzw. das Museum in Samter ließen die Bilder abholen und teilweise aufwendig restaurieren, da sie in den 40 Jahren auf dem Dachboden wohl teilweise gelitten hatten. |

Das Museum in Samter im ehemaligen Schloß Gorka
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2007: am 17. Mai waren wir erneut im Museum in Samter - zufällig auf den Tag genau ein Jahr nach dem ersten Besuch! Der Besuch war wieder von unserem treuen Mikolaj vorbereitet worden, der uns auch begleitete und das in sehr positiver Atmosphäre geführte Gespräch dolmetschte. Zwei wichtige Ereignisse bestimmten den Besuch:
- Im Museum in Samter hängt ein weiteres (22.) Bild aus Borowo: das Bildnis einer Dame, deren Identität leider zunächst auch ungeklärt ist, weil es offenbar neu gerahmt wurde
- Uns wurde vom Direktor des Museums unaufgefordert eine komplette Kopie der in Samter geführten Akte zu den Ahnenbildern übergeben: darin enthalten sind 9 Dokumente: Briefe, Verträge, Angebote, etc. aus 1988, die z.Zt. von einer Deutsch-Lehrerin in Kurnik, der polnischen Partnerstadt von Königstein nahe Posen (und Borowo), in die deutsche Sprache übersetzt werden
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Michal Kruszona, Direktor des Museums in Samter,
in seinem Arbeitszimmer
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Das 22. Ahnenbild aus Borowo,
hängt im Museum in Samter
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Dezember 2007: zwei bisher noch nicht erwähnte Polen sind neu ins Spiel gekommen: Anna Lewicka, Jahrgang 1967, Deutschlehrerin in Kurnik bei Posen, der Partnerstadt von Königstein, und Krzysztof Powidzki, Posen, Jahrgang 1938, der die Ahnenbilder 1987/88 restauriert hat.
- Die polnischen Dokumente, die wir im Mai 2007 in Samter erhielten, und die Anna Lewicka für uns ins Deutsche übersetzte, enthalten u.a. die Rechnung einer Warschauer Künstlergenossenschaft für die Restaurierung der Ahnenbilder
- Berechnet wurde die "Dokumentation" der Restaurierung mit Texten und vielen Fotos. Wir hatten inzwischen gelernt, daß zu einer fachgerechten Restaurierung auch das Festhalten der hinteren Beschriftung der alten Rahmen gehört, die aus Altersgründen ersatzt werden müssen.
- Nun begann die Suche nach dieser "Dokumentation" der Restaurierung der "Ahnenbilder aus Borowo" im Museum in Samter, in der Hoffnung, weitere Hinweise zu den 1985/88 restaurierten Bildern zu finden.
- Eine Anfrage unseres jungen Freundes Mikolaj im Museum in Samter ergab, daß die "Dokumentation" gefunden sei! Große Freude und Spannung! Nach der Goldenen Hochzeit meiner Schwester Gisela Arnim im September in der Uckermark fuhr Ute mit den Zug hach Hause und ich fuhr weiter nach Samter bei Posen
- Der Empfang war herzlich wie immer - diesmal fehlte zwar Mikolaj als Übersetzer, aber eine ältere Mitarbeiterin des Museums sprach gut Deutsch. Als mir nach dem üblichen Austausch von Höflichkeiten die "Dokumentation" vorgelegt wurde, stieg bei mir die Spannung - und machte schnell einer großen Enttäuschung Platz, denn mir wurden die gleichen "Dokumente" vorgelegt, die ich im Mai schon erhalten hatte. Man hatte offenbar vergessen, daß ich diese immerhin wichtigen Papiere schon hatte! 500 km und ein Tag für Nichts.... Offenbar war die eigentlich gesuchte "Dokumentation der Restaurierung" in Samter nicht mehr aufzufinden. Was nun?
- Wir sprachen dann noch über die Schätzung der Ahnenbilder, für die ich bereit war die Kosten zu übernehmen, aber ein entsprecher Auftrag sollte vom Museum erteilt werden.
- In drei Wochen sollte ein Sachverständiger gefunden sein und mir die Kosten für eine Schätzung übermittelt werden.
- Ich fuhr nach Königstein zurück und war zunächst ratlos. Dann kam Besuch aus Kurnik zu einer gemeinsamen Fahrt des Partnerschaftsvereins nach Luxemburg zum Europäischen Gerichtshof und Europäischen Rechnungshof. Ich erzählte Anna Lewicka von meinen Erlebnissen in Samter. Sie wollte nach ihrer Rückkehr nach Polen weiter recherchieren und nahm Kontakt mit dem Restaurator Krzysztof Powidzki auf, dessen Adresse sie schon vorher im Posener Telefonbuch gefunden hatte. Mit unerwartetem Erfolg: er konnte sich nicht nur gut an die ganze Arbeit vor knapp 20 Jahren erinnern, er hatte auch ein Exemplar der damals erstellten (und berechneten) "Dokumentation der Restaurierung" in seinen Unterlagen und war sogar bereit, mir diese leihweise zuzuschicken!
- Diese "Dokumentation der Restaurierung" kam nun vor wenigen Tagen in Königstein an und umfaßt neben einer genauen Beschreibung der ausgeführten Arbeit an jedem Bild (natürlich in polnischer Sprache) auch viele schwarz-weiße Fotos aller Bilder vor und nach der Restaurierung, einschließlich der Rahmen-Rückseiten!
- Leider konnte aber mit Hilfe dieser Fotos nur eines der 7 bisher unbekannten Bilder identifiziert werden, weil gemäß der fachmännischen Dokumentation auch auf vielen der alten Rahmen keine Namen und weitere Angaben vermerkt waren...
- Aus dieser Tatsache - und daß es von diesen "unbekannten Bildern" auch keine schwarz-weiß Fotos gab - kann nur geschlossen werden, daß die dargestellten Personen - meist aus dem 18. Jahrhundert - auch meinen Großeltern in Borowo nicht bekannt waren. Daß sie aber aus Borowo stammen, ist zweifelsfrei.
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Am 23. Mai 2008 schreibt unser Freund Mikolaj: ... ich war heute in Samter und habe Herrn Kruszona gesprochen. Wie ich es vorgesehen habe, hat der Direktor Angst, selbst etwas zu unternehmen, um nicht belastet zu werden, er sei irgendwie persoenlich interessiert. Er wollte, Sie wuerden zuerst an das Ministerium schreiben. Ich erklaerte ihm den einzigen richtigen und legalen (im Sinne - den Gesetzen und Prozeduren gemaess) Weg und habe ausdruecklich gesagt, er muss die Bewertung machen lassen, dann mit Ihnen die Bedingungen ausmachen und am Ende das Ministerium um eine Bewilligung bitten. Er schien verstanden zu haben. Die Portraits stehen eingepackt im Lager und warten auf Sie... |
Am 4. September 2008 haben Ute und ich einen Besuch in Samter gemacht und sind wieder sehr freundlich vom Direktor Kruszona empfangen worden. Wir wurden auch ins Depot des Museums geführt, wo wir uns von dem Vorhandensein aller Ahnenbilder selbst überzeugen konnten (siehe Foto, der Spiegel gehört nicht dazu).
Man kann erkennen, daß es sich dort eher um einen vorübergehenden Aufenthalt der Bilder handelt...
Am 24. September 2008 meldete sich per Brief ein polnischer Rechtsanwalt bei mir, der mir in gutem Deutsch mitteilte, daß er vom Museumsdirektor Herrn Kruszona beauftragt wäre, unsere Interessen bei der Rückgabe der Ahnenbilder aus Borowo zu vertreten. In mehreren eMails haben wir uns zu einem persönlichen Treffen am 11. Mai in Samter verabredet. Ich bin gespannt, welchen Weg er mir vorschlagen wird und ob wir diesen Weg auch gehen können (oder wollen). |

Die Borowoer Ahnenbilder im Depot des Museums in Samter |
Im Jahr 2009 ist der gesamte Vorgang große Schritte verangekommen.
- Bei uns stand im Mai/Juni eine mehrwöchige Polenreise auf dem Programm. Auf dem Hinweg machten wir in Berlin Station und besuchten dort am 6. Mai Dr. Slawomir Tryc, Botschaftsrat, den Kulturreferenten in der polnischen Botschaft, um ihn von unserem Anliegen zu informieren. Er war ein sehr sympatischer Mann und hörte uns interessiert zu. Als Ansprechpartner in Warschau empfahl er uns Herrn Jacek Miler, den Direktor der Abteilung für Polnische Kulturgüter im Ausland im Departement für Nationales Kulturerbe im Kultur-Ministerium in Warschau.
- Am 11. Mai 2009 besuchten wir in Posen den Rechtsanwalt Dr. iur. Artur Gill, den uns unser junger Freund empfohlen hatte. Dr. Gill arbeitet als Dozent u.a. an der Posener Universität, hat aber auch eine eigene Kanzlei.
Wir informierten ihn ausführlich über die ganze Situation und auch über unseren Plan, in Warschau einen Besuch im Kultur-Ministerium zu machen. Er erklärte sich bereit, unsere Sache beim Museum in Samter voranzubringen. Den geplanten Besuch beim Rechtsanwalt in Samter haben wir nicht realisiert, weil wir ihn nicht kannten.
- Am 15. Mai 2009 erreichte uns per eMail die Nachricht von Herrn Jacek Miler, daß nicht er, sondern das Außenministerium zuständig sei und dort ein Herr Wojciech Kowalski, Botschafter, in der Abteilung of Legal and Treaty Issues. Nach dem Johanniter-Rittertag auf der Marienburg trafen wir am 19. Mai in Warschau ein. Einen Tag später erhielt ich von unserem Posener Anwalt eine eMail, daß er von Herrn Kowalski aus dem Außenministerium angerufen worden sei und ihm mitgeteilt habe, daß er mir als "Privat-Person" nicht weiterhelfen könne; er wäre für Fragen des Internationalen Rechts zuständig. Wir sollten aber Kontakt mit der Kulturabteilung in der Deutschen Botschaft in Warschau aufnehmen.
- Am 21. Mai 2009 machten wir daher einen Besuch bei Herrn Jens Lütkenherm, dem Leiter der Kulturabteilung, der sich unsere Geschichte interessiert anhörte, aber offiziell in dieser Angelegenheit zunächst nichts unternehmen wollte. Er ist aber am Fortgang interessiert und empfahl die Information von Herrn Rainer Sachs im Deutschen Generalkonsulat Breslau, das auch für Posen zuständig ist.
- Auf Anforderung des Rechtsanwalts habe ich ein längeres Exposée über meine Person, meine Familie, die Geschichte von Borowo und meine aktuellen Kontakte und Beziehungen zu Borowo und anderen Stellen in Polen erstellt, das von ihm neben anderen Dokumenten als Anlage zum offiziellen Antrag auf Rück-Übereignung an das Museum beigefügt wurde, der am 14. Oktober 2009 datiert ist (siehe links).
- Am 15. Oktober 2009 hat der Rechtsanwalt den Antrag auf Rück-Übereignung in Samter dem Museumsdirektor persönlich übergeben. An dem Treffen nahm auch der vom Museum beauftragte Rechtsanwalt Gomolec teil. Es wurde festgelegt, daß die Träger-Organisation des Museums ("the council of the museum") informiert wird, die am 5. November nur in unserer Angelegenheit zusammentreten werde. Der Vorsitzende des "Museum-Rates" ist gleichzeitig Mitglied im "Minister-Rat" (?). Als Ergebnis der Sitzung wurden zwei unabhängige Gutachter beauftragt, den Wert der Ahnenbilder aus Borowo festzustellen. Vorsitzender dieses Gremiums war Dr. Jan Mackowiak, Direktor des National Museums für Landwirtschaft und Nahrungsmittel-Industrie in Szreniawa, gleichzeitig Mitglied des Museums-Rates beim Ministerium in Warschau.
- Am 2. Dezember 2009 erhielt ich die Nachricht, daß die beiden Gutachter beauftragt worden seien. Der eine Gutachter ist Herr Marek Walczewski aus Posen, ein Antiquar im Ruhestand, der andere ist Herr Zaremba aus Plock, einer Stadt in der Woiwodschaft Masowien etwa 100 km nordwestlich von Warschau an der Weichsel. Die Kosten des 2. Gutachtens - etwa 2-2,5% des geschätzten Wertes - gehen zu unseren Lasten.
- Am 12. Januar 2010 erhielt ich das Ergebnis beider Gutachten: PLN 95.200,- bzw. PLN 159.800,-, somit der Mittelwert PLN 127.500,-. Beim 2. Gutachten waren 7 der Ahnenbilder mit mehr als dem doppelten Wert des 1. Gutachtens bewertet worden, was ich nicht anerkennen konnte. Meine Gegenrechnung ergab einen neuen Mittelwert von PLN 109.800,-; sie wurde dem Museum am 9. Februar von unserem Rechtsanwalt übermittelt.
- Am 19. Februar 2010 fand eine Sitzung des "Museum-Rates" statt, auf der mein reduzierter Vorschlag akzeptiert wurde und an das Ministerium weitergeleitet wurde. Die dortige Sitzung findet am 23. März 2010 statt.
- Am 10. April 2010 ereignete sich der tragische Flugzeugabsturz bei Smolensk, der Hauptstadt der russischen Provinz Smolensk. Das Flugzeug der polnischen Regierung verunglückte bei dichtem Nebel während des Landeanflugs auf den Militärflugplatz Smolensk-Nord, wobei alle 96 Insassen getötet wurden. Da auch der Vorsitzende des Museumsrates bei dem Minister für Kultur und Nationales Erbe, Herr Dr. Tomasz Merta, bei diesem tragischen Unglück ums Leben kam, verzögerte sich die Bearbeitung unseres Projektes in Warschau bis zum Frühjahr 2011.
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Am 27. Mai 2010 hatten wir wir anläßlich unseres jährlichen Besuches in der Königsteiner Partnerstadt Kurnik nahe Posen ein Treffen mit unserem Posener Anwalt Dr. Artur Gill (links im schwarzen Anzug) und dem Direktor des Landwirtschaftlichen Museums in Szreniawa nahe Posen, Dr. Jan Mackowiak (rechts), vereinbart, weil Dr. Mackowiak Mitglied des Nationalen Museumsrates in Warschau ist, der auch über die Ahnenbilder aus Borowo zu entscheiden hat.
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Im Frühjahr 2011 ging unser Projekt weiter.
- Am 2. Februar 2011 informierte mich Her Dr. Gill, daß die nächste Sitzung des Museumsrates am 8. Februar stattfinden würde und die Ahnenbilder aus Borowo auf der Tagesordnung stünden.
- Am 8. Februar 2011 schrieb mir Dr. Gill aus seinem Urlaub nahe Glatz/Schlesien, daß er die Nachricht erhalten habe, daß die Ahnenbilder aus Borowo von der nationalen Liste der Museumsgüter gestrichen werden können.
- Am 16. Februar 2011 hat sich unser Anwalt mit dem Direktor Kruszona des Museums in Samter getroffen und das weitere Handeln in der Sache besprochen. Es wurde beschlossen, einen Besuch im Amt des Woiwodschafts-Denkmalpfleger in Posen zu machen. Der Kontakt mit dem Denkmalpfleger war aus zwei Gründen wichtig. Erstens – nachdem die Bilder aus dem Museumsregister gestrichen sind, könnte der Denkmalpfleger theoretisch die Bilder in das Denkmalsregister eintragen, was sich unseren Plänen in den Weg stellen würde.
Zweitens müssen die Grundsätze der legalen und sicheren Ausfuhr der Bilder aus Polen festgelegt werden. Insbesondere muss die Frage geprüft werden, ob wir verpflichtet wären, eine Genehmigung für die sogenannte beständige, einmalige Ausfuhr der Bilder ins Ausland zu bekommen. Zur Ausstellung solcher Genehmigung ist der Minister für Kultur berechtigt, was die Sache verlängern würde. Diesen Themen war das Treffen im Amt des Denkmalpflegers gewidmet. Die entscheidende Bedeutung haben das Alter und der Wert der Bilder und die Frage, ob sie eine "Sammlung" bilden. Bei einem Wert über 40.000 ZL müssten wir die Genehmigung für die Ausfuhr beantragen. Jedes einzelne Bild besitzt solchen Wert nicht, jedoch angenommen, daß wir es mit einer "Sammlung" der Kunstwerke zu tun haben, wäre solche Genehmigung notwendig (sogar im Fall einer "Sammlung" im Wert von 16.000 ZL).
- Am 2. März 2011 hat dieses Treffen im Büro des Woiwodschafts-Denkmalpflegers in Posen in der Golebia-Straße 2 stattgefunden (dort hingen die Ahnenbilder aus Borowo auch seit ihrer Restaurierung etwa 20 Jahre lang an den Wänden in den Büros!). Anwesend waren: Frau Jolanta Goszczynska, die Stellvertetende Denkmalpflegerin in Posen, zwei andere Beamte dieses Amtes, der Direktor Kruszona aus Samter und unser Anwalt Dr. Gill.
Nach der Meinung der Denkmalpfleger-Beamten haben wir hier nicht mit einer "Bilder-Sammlung", sondern mit einer Sammlung einzelner Bilder zu tun. Die stellvertretende Denkmalpflegerin hat versichert, daß sie keine Absicht haben, die Bilder in das Denkmalsregister einzutragen.
- Am 6. März 2011 schickte Herr Dr. Gill uns einen Bericht über den aktuellen Stand. Das Museum in Samter hat das Dokument über die Streichung der Ahnenbilder aus Borowo aus dem Museumsregister zwar noch nicht bekommen, und auch das Datum dessen Ausstellung ist noch nicht bekannt.
Mit einem der beiden Sachverständigen, die Anfang 2010 Gutachten über den Wert der Ahnenbilder aus Borowo erstellt haben, mit dem Direktor des Museums in Plock, Tadeusz Mazowiecki Zaremba, hat Dr. Gill für die nächste Zeit eine Vorverständigung vereinbart, die einen "Tauschvertrag" vorbereitet. Anstelle von Bargeld soll das Museum in Samter zwei oder drei Bilder des Malers Max Rabes (*1868 in Samter; †1944 in Wien) im gleichen Wert wie die Ahnenbilder aus Borowo erhalten. Das können Ölbilder auf Leinwand oder auf Holz (also keine Graphiken) zu einer beliebigen Thematik (!) sein. Das Museum wird bestimmte Gemälde nicht ablehnen können, weil sie "uninteressant" seien.
Dieser "Tauschvertrag" soll uns in Kürze als Entwurf zugeleitet werden. Wirksam kann er erst werden, wenn das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe die noch austehende Bestätigung geschickt hat, daß die Ahnenbilder aus Borowo von dem Museumsregister gestrichen sind.
Der "Tauschvertrag" soll in Samter von Direktor Kruszona und von unserem Anwalt Dr. Gill unterschrieben werden. Direktor Kruszona will die Übergabe der Ahnenbilder aus Borowo im Tausch gegen die Ölbilder von Max Rabes einen offiziellen Rahmen verleihen. Für die Sache interessiert sich schon heute die Presse. Der Übergabe wird in Anwesendheit der Kreisbehörden – des Landrates, der Mitglied des Museumsrats in Samter ist, in Anwesendheit der Stadtbehörden, des Fernsehens und der Presse, vollzogen. Direktor Kruszona will mögliche Vorwürfe vermeiden, daß er den Austausch heimlich durchgeführt hat. Er möchte den Austausch als seinen Erfolg und Beispiel der guten polnisch-deutschen Zusammenarbeit vorstellen.
- Am 29. März 2011 traf die Kopie des offiziellen Schreibens vom "Ministerium für Kultur und Nationales Erbe" aus Warschau mit Datum vom 10. März 2011 bei uns in Königstein ein, in dem die Streichung der Ahnenbilder aus Borowo aus dem Museumsregister vom Direktor Jacek Miler bestätigt wird. Schon während unserer Polen-Reise im Mai 2009 haben wir auf Empfehlung des Kultur-Referenten der Polnischen Botschaft in Berlin versucht, einen Besuch bei diesem Mann in Warschau zu arrangieren, wurden damals von seinem Büro an das Finanzministerium verwiesen.
Nun kann dem Abschluß des Tauschvertrages nichts mehr im Wege stehen. Ölbilder von Max Rabes sind in Deutschland auf dem Markt, wobei das Internet wieder unschätzbare Dienste leistet.
- Am 9. April 2011 haben der Direktor Kruszona und der Anwalt Dr. Gill den vorbereiteten "Tauschvertrag" in Samter unterschrieben, nachdem aus Warschau keine Hindernisse für die Rückgabe der Ahnenbilder aus Borowo mehr zu erwarten waren und auch der Museumsrates des Kreises zugestimmt hatte.
Erst nach dieser wichtigen Unterschrift konnten wir zur Suche und dem Kauf der Ölbilder von Max Rabes schreiten. Innerhalb weniger Tage fanden wir diese Angebote im Internet, die wir unserem Anwalt zur Kenntnis weiterleiteten:
"Gottesdienst in der zerstörten Kirche von Lyck" (Ottobrunner-Fundgrube: € 5.000,00; 130 x 140 cm, ohne Rahmen).
"An den Ufern des Nils" (Dorotheum Wien: € 12.500,00; 68 x 95 cm, ohne Rahmen).
"Badende in Fontainebleau" (Quentin, Berlin: € 5.490,00; 50 x 60 cm, ohne Rahmen).
Weil damit an der Summe von PLN 109.800,00 noch PLN 18.692,90 fehlten, haben wir zugestimmt, daß Herr Kruszona für diese Summe noch ein Kostüm aus dem 18. Jahrhundert kauft, das in Posen angeboten wird.
Als Termin für die offizielle Übergabe wurde Montag, der 6. Juni 2011, vereinbart. Am 5. Juni beenden wir eine Schlesien-Reise unseres "Partnerschaftsvereins Königstein - Kurnik" privat mit der Teilnahme am Rittertag der Schlesischen Johanniter-Genossenschaft in Liegnitz, sodaß wir von dort aus noch am Sonntag nach Posen fahren werden. Das Programm der offiziellen Übergabe am Montag, dem 6. Juni 2011, wird uns in Kürze mitgeteilt werden.
Es ist geplant, die dann wieder uns gehörenden Ahnenbilder aus Borowo innerhalb den folgenden Wochen von Samter nach Borowo transportieren zu lassen, wo wir sie am 2. August abholen können, wenn wir im Rahmen des Großen Familientages dort einen offiziellen Besuch mit einem Omnibus machen. So würden wir die Ahnenbilder nach über 66 Jahren dort abholen können, wo unsere Großeltern sie am 20. Januar 1945 beim Aufbruch zur Flucht vor den Russen zurücklassen mußten - und ein langer Traum ginge zu Ende!
Über den Ablauf der "offiziellen Übergabe" am 6. Juni 2011 werde ich natürlich hier berichten!
Wolf Dietloff von Bernuth
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